Schau dir mal eine beliebige UX-Agentur an – vermutlich findest du auf ihrer Website einen großen Headline wie „User-centric Design» oder „Das Nutzererlebnis im Fokus». Klingt toll. Nur: Wenn man sich anschließend die umgesetzten Projekte ansieht, stellt man schnell fest, dass viele dieser Agenturen genau das nicht tun. Sie entwerfen Oberflächen. Sie legen Buttons an. Sie machen das Design optisch ansprechend. Aber sie verstehen die Nutzer oft nicht wirklich. Und genau das ist das Problem.
Die meisten UX-Agenturen – nicht alle, aber viele – machen fundamentale Fehler, die sich wie ein roter Faden durch ihre Projekte ziehen. Diese Fehler sind nicht böse gemeint, aber sie sind teuer. Sehr teuer sogar. Weil sie dazu führen, dass Produkte zwar gut aussehen, aber nicht funktionieren. Oder dass Nutzer frustriert sind. Oder dass der Erfolg ausbleibt.
Der erste Fehler: Design ohne Forschung
Der häufigste Fehler, und ich meine wirklich häufig, ist dieser: Die Agentur sitzt hin und startet sofort mit der Gestaltung. Keine Nutzerforschung. Keine Interviews. Keine Tests. Nur: Annahmen.
Das ist wie Architektur ohne Vermessung. Du könntest ein wunderschönes Haus bauen – nur steht es am Ende an der falschen Stelle oder passt nicht zur Umgebung. Genau das passiert bei der digitalen Gestaltung ständig.
Die Realität: Gute Nutzerforschung ist der erste Schritt, um aus einer kühlen Idee ein Produkt zu machen, das wirklich funktioniert. Wenn Agenturen diesen Schritt überspringen, weil sie schnell arbeiten möchten oder weil sie davon ausgehen, die Zielgruppe zu kennen, sitzen sie auf einem Pulverfass. Sie werden Fehler machen, die hinterher korrigiert werden müssen – und das kostet viel mehr Zeit als vorausschauende Forschung.
Der zweite Fehler: Zu viele Daten, kein System
Manchmal ist die Situation auch umgekehrt. Der Auftraggeber hat eine Unmenge an Daten: Google Analytics, Umfragedaten, Feedback von irgendwo – aber alles ist chaotisch und unklar. Die Agentur kriegt diese Datenflut auf den Tisch und weiß nicht, was damit anfangen.
Die Herausforderung bei UX ist die Gratwanderung zwischen Datenchaos und Klarheit. Gute Agenturen wissen, dass das ein Job für einen Datenanalysten ist – jemand, der aus der Masse die relevanten Muster herausfiltert. Viele Agenturen versuchen das selbst zu lösen und enden mit oberflächlichen Insights, die zu oberflächlichem Design führen.
Der dritte Fehler: Dark Patterns statt echte Lösungen
Hier wird es unethisch. Manche Agenturen – auch renommierte – bauen sogenannte Dark Patterns ein. Das sind Interface-Tricks, die Nutzer verwirren oder zur ungewollten Handlung verleiten: Ein Abmeldebutton, der versteckt ist. Bestätigungen, die automatisch angehakt sind. Newsletter-Abos, die sich nicht abmelden lassen.
Das ist nicht UX Design. Das ist Manipulation. Und es funktioniert vielleicht kurzfristig für die Geschäftszahlen, aber langfristig zerstört es das Vertrauen. Nutzer, die sich manipuliert fühlen, erzählen das weiter. Sie verlassen die Plattform. Sie geben schlechte Bewertungen. Ein echtes Geschäftsziel ist es, Nutzer zu verstehen und für sie zu lösen – nicht sie zu täuschen.
Der vierte Fehler: Testen wird als Luxus betrachtet
„Testing kostet Zeit und Geld» – diesen Satz höre ich ständig. Ja, das stimmt. Aber nicht testen kostet noch viel mehr Zeit und Geld. Denn wenn ein Produkt nach dem Launch feststeckt, weil die Nutzer es nicht verstehen, dann muss nachgebessert werden. Das ist exponentiell teurer.
Gute Agenturen verstehen: User Testing ist nicht optional. Es ist eine Versicherung. Eine Testrunde dauert 1–3 Wochen und kann Fehler aufdecken, bevor Entwicklung und Deployment stattfinden. Sogar remote ist das heute problemlos möglich. Viele Agenturen überspringen diesen Schritt trotzdem – aus Zeitmangel oder Unwissen.
Der fünfte Fehler: Barrierefreiheit wird ignoriert
Hier ist es besonders schmerzhaft: Viele Agenturen denken, Barrierefreiheit (Accessibility) ist nur für Menschen mit Behinderungen relevant. Das ist falsch. Barrierefreies Design ist für alle da. Jeder kann vorübergehend eine Beeinträchtigung haben: eine Augenlaseroperation, blendende Sonne auf dem Handy, eine Hand voll. Gutes Design funktioniert für alle.
Das Problem: Barrierefreie Lösungen müssen von Anfang an mitgedacht werden. Sie hinterher einzubauen ist aufwändig und oft unmöglich. Agenturen, die das nicht vom Start berücksichtigen, schaffen Produkte, die einen Teil der Zielgruppe einfach ausschließen.
Der sechste Fehler: Konkurrenzanalyse statt Nutzeranalyse
Ein typisches Szenario: Die Agentur schaut sich die Konkurrenz an, schaut sich an, was andere machen, und designt etwas ähnliches, aber „besser». Das ist nicht falsch, aber es ist nicht genug.
Konkurrenzanalyse beantwortet die Frage: Was macht die Konkurrenz? Nutzeranalyse beantwortet die Frage: Was brauchen meine Nutzer wirklich? Das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge. Eine echte UX-Agentur tut beides – aber sie priorisiert die Nutzerseite.
Was bedeutet das konkret für Agenturen?
Zunächst: Selbstkritik ist hier angesagt. Agenturen, die diese Fehler machen, tun das oft, weil sie unter Druck stehen – zeitlich, finanziell, oder weil Clients diese intensive Arbeit nicht verstehen oder zahlen wollen. Das ist verständlich, aber es ist auch ein Grund, warum so viele Designprojekte mittelmäßig enden.
Echte UX Design Agenturen unterscheiden sich dadurch, dass sie bereit sind, die harte Arbeit zu machen: Nutzer zu befragen. Daten zu analysieren. Tests durchzuführen. Feedback einzuholen. Das dauert länger. Es kostet mehr. Aber das Ergebnis ist exponentiell besser.
Wie man diese Expertise nach außen kommuniziert? Viele Agenturen nutzen dafür Erklärvideos, um ihre UX-Prozesse gegenüber Clients sichtbar zu machen. Weil komplexe Designentscheidungen schwer zu erklären sind – visuell aber unmittelbar verständlich.
Und das gilt auch für die Suche nach Clients: Gute Agenturen müssen ihre Kompetenz auch online sichtbar machen. SEO für kreative Agenturen heißt, digitale Sichtbarkeit ohne Kreativitätsverlust aufzubauen. Das ist nicht trivial, weil SEO und kreatives Handwerk manchmal gegensätzlich wirken. Aber es geht – wenn die Agentur weiß, wie.
Die Zukunft: KI-Tools, aber nicht blind
Ein neuer Fehler zeichnet sich ab: Agenturen, die KI-Tools unkritisch einsetzen. Generative KI kann Design beschleunigen – aber nur, wenn sie richtig eingesetzt wird. Künstliche Intelligenz im Designprozess kann innovativ sein, aber auch zu oberflächlichem Output führen, wenn nicht fundierte Nutzerforschung dahintersteckt.
Die Gefahr: KI-generierte Designs, die zwar schnell entstehen, aber die echten Nutzerbedürfnisse verfehlen. Das ist dann das klassische Problem in neuem Gewand.
Das Fazit ist praktisch
Eine UX Design Agentur, die ihre Arbeit ernst nimmt, wird nicht alle diese Fehler vermeiden können – das ist unmöglich. Aber sie wird sie systematisch minimieren. Sie wird den Prozess dokumentieren. Sie wird nachfragen, wenn Auftraggeber zu schnell vorwärtspreschen. Sie wird sagen: „Wir brauchen erst Forschung.»
Das ist das Unterscheidungsmerkmal zwischen Agenturen, die Design machen, und Agenturen, die UX verstehen. Der Unterschied liegt nicht in den Mockups. Er liegt in der Haltung.





