Online-Marketing im B2B: Kanäle mit Wirkung

Online-Marketing im B2B: Kanäle mit Wirkung

Online-Marketing im B2B funktioniert anders als im Geschäft mit Endkunden. Gekauft wird nicht spontan, sondern nach Wochen oder Monaten, und am Ende entscheidet nicht eine Person, sondern eine Gruppe. Die wirksamsten Kanäle sind deshalb jene, die Vertrauen über längere Zeit aufbauen: eine gut auffindbare Website mit Fachinhalten, ein berufliches Netzwerk wie LinkedIn, ein Newsletter mit Einwilligung und gezielte Anzeigen. Wer alle Kanäle gleichzeitig bespielt, verzettelt sich. Wer zwei bis drei konsequent nutzt, wird gefunden.

Dieser Beitrag beschreibt, wie Geschäftskunden heute einkaufen, welche Online-Kanäle im B2B tragen, welche rechtlichen Grenzen gelten und wie kleine Agenturen ihre Kanäle auswählen. Er richtet sich an Agenturen und kreative Dienstleister, die selbst an Unternehmen verkaufen oder Geschäftskunden bei deren Marketing beraten. Wie Inhalte für Geschäftskunden so geplant werden, dass sie auch ankommen, vertieft der Beitrag über Content-Marketing für Geschäftskunden.

Was unterscheidet Online-Marketing im B2B vom Endkundengeschäft?

Vor allem die Zahl der Beteiligten und die Dauer der Entscheidung. Im B2B wägen mehrere Fachleute ab, holen Vergleichsangebote ein und müssen ihre Wahl intern begründen. Online-Marketing muss deshalb mehrere Menschen über einen langen Zeitraum mit passenden Informationen versorgen.

Die Erhebung des Marktforschers Forrester zum Geschäftskundeneinkauf 2026 zeigt das Ausmaß. Im Durchschnitt beeinflussen 13 interne Beteiligte und neun externe Personen eine Kaufentscheidung, bei teuren oder komplexen Anschaffungen sind es mehr. Zugleich nutzen 94 Prozent der befragten Einkäufer Werkzeuge mit künstlicher Intelligenz im Kaufprozess, prüfen deren Antworten aber an vertrauenswürdigen Quellen nach.

Für das Marketing folgt daraus zweierlei. Erstens braucht jede Rolle im Entscheidungsgremium eigene Argumente: Die Geschäftsführung fragt nach Wirkung und Kosten, die Fachabteilung nach Arbeitsweise und Qualität, der Einkauf nach Vertragsbedingungen. Zweitens zählen belastbare Inhalte mehr als laute Werbung. Wer gut belegte Fachbeiträge, Fallstudien und klare Leistungsbeschreibungen veröffentlicht, wird zu genau der Quelle, an der Einkäufer ihre Recherche überprüfen.

Welche Online-Kanäle tragen im B2B?

Vier Kanäle haben sich für kleine Anbieter bewährt: die eigene Website mit Suchmaschinenoptimierung, berufliche Netzwerke, ein Newsletter und Suchmaschinen- oder Netzwerkanzeigen. Sie ergänzen sich, weil sie unterschiedliche Phasen der Entscheidung abdecken.

Die Website ist der Ort, an dem alle anderen Kanäle zusammenlaufen. Dort informieren sich Entscheider, bevor sie Kontakt aufnehmen. Der Startleitfaden zur Suchmaschinenoptimierung von Google empfiehlt, Inhalte für Menschen zu schreiben, eine logische Seitenstruktur aufzubauen und Begriffe zu verwenden, nach denen die Zielgruppe tatsächlich sucht. Für eine Agentur bedeutet das: Leistungsseiten, die Probleme der Kunden beschreiben, und Fachbeiträge, die Fragen aus Vorgesprächen beantworten. Konkrete Ansätze dafür sammelt der Beitrag über SEO für Kreativagenturen.

Berufliche Netzwerke sind der zweite Pfeiler. Nach einer Befragung des Digitalverbands Bitkom aus dem Jahr 2025 unter 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten haben 47 Prozent ein Profil auf Xing und 36 Prozent auf LinkedIn. Facebook liegt mit 48 Prozent knapp vorne, YouTube erreicht 43 Prozent. Für Agenturen mit Geschäftskunden zählen dabei weniger Unternehmensseiten als die Profile der Menschen: Beiträge von Inhaberinnen und Projektleitern erreichen ihr Netzwerk direkter als jede Firmenseite.

Anzeigen beschleunigen, was die anderen Kanäle aufbauen. Suchanzeigen erreichen Menschen, die gerade nach einer Leistung suchen. Netzwerkanzeigen lassen sich nach Branche, Funktion und Unternehmensgröße eingrenzen. Die LinkedIn-Hilfe zu Lead Gen Forms beschreibt Formulare, die Kontakt- und Profildaten beim Klick auf die Anzeige automatisch vorausfüllen. Das senkt die Hürde für eine Anfrage, setzt aber eine saubere Weiterverarbeitung der Kontakte voraus.

Welche Rolle spielt der Newsletter?

Eine größere, als viele kleine Agenturen annehmen. Der Newsletter ist der einzige Kanal, über den eine Agentur Interessenten in ihrem eigenen Postfach erreicht, unabhängig von Algorithmen und Anzeigenbudgets. Er hält den Kontakt über die lange Entscheidungsphase hinweg.

Inhaltlich funktioniert ein B2B-Newsletter am besten, wenn er Wissen weitergibt statt Leistungen anzupreisen. Eine kurze Fallstudie, ein Fachbeitrag aus dem eigenen Blog, ein Hinweis auf eine Veranstaltung genügen. Einmal im Monat reicht für die meisten Agenturen. Wichtiger als die Häufigkeit ist, dass jede Ausgabe einen Grund liefert, sie zu öffnen.

Messehalle mit Ständen und Besuchern, die sich über Angebote austauschen und vernetzen

Kontakte für den Newsletter entstehen online und offline. Ein Fachbeitrag mit Anmeldemöglichkeit, ein Vortrag auf einer Branchenveranstaltung, ein Gespräch am Messestand: In allen Fällen gilt, dass die Einwilligung ausdrücklich eingeholt werden muss. Eine Visitenkarte allein berechtigt nicht zum Versand von Werbung.

Was ist rechtlich zu beachten?

Werbe-E-Mails brauchen auch im B2B eine vorherige ausdrückliche Einwilligung. Das gilt unabhängig davon, ob die Empfängerin Verbraucherin oder Unternehmerin ist. Eine Ausnahme besteht nur für Bestandskunden unter engen Bedingungen.

Maßgeblich ist § 7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb. Nach Absatz 2 Nummer 2 ist Werbung per elektronischer Post ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung stets eine unzumutbare Belästigung. Der Gesetzestext unterscheidet hier nicht zwischen Verbrauchern und Unternehmen. Anders bei Telefonanrufen: Gegenüber Unternehmen genügt nach Absatz 2 Nummer 1 eine zumindest mutmaßliche Einwilligung, gegenüber Verbrauchern ist eine ausdrückliche nötig.

Die Bestandskunden-Ausnahme in Absatz 3 verlangt vier Bedingungen zugleich. Die Adresse muss im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Ware oder Dienstleistung erhalten worden sein, beworben werden dürfen nur eigene ähnliche Leistungen, der Kunde darf nicht widersprochen haben, und er muss bei der Erhebung und bei jeder Verwendung auf sein Widerspruchsrecht hingewiesen werden. Wer diese Ausnahme nutzen will, sollte den Hinweis auf das Widerspruchsrecht schon bei der ersten Erfassung der Adresse geben und in jede Werbe-Mail aufnehmen.

Auch die Erfolgsmessung hat Grenzen. Nach § 25 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes dürfen Informationen auf dem Gerät der Nutzer nur mit Einwilligung gespeichert oder ausgelesen werden, es sei denn, dies ist für den ausdrücklich gewünschten Dienst unbedingt erforderlich. Analyse- und Werbe-Cookies auf der Agenturwebsite brauchen deshalb eine Einwilligung über ein Banner. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Wie wählt eine kleine Agentur ihre Kanäle aus?

Nach drei Kriterien: Wo informiert sich die Zielgruppe? Welche Inhalte kann das Team regelmäßig liefern? Und welcher Kanal lässt sich mit vertretbarem Aufwand messen? Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, landet meist bei zwei bis drei Kanälen.

Für eine Agentur mit zehn Beschäftigten, die Industrieunternehmen betreut, könnte das so aussehen: Fachbeiträge auf der eigenen Website zu den Fragen, die in Erstgesprächen immer wieder auftauchen, wöchentliche Beiträge der Geschäftsführung auf LinkedIn und ein monatlicher Newsletter an Kunden und Interessenten. Anzeigen kommen erst hinzu, wenn diese drei Kanäle laufen und klar ist, welche Inhalte Anfragen auslösen.

Überzeugende Belege machen jeden Kanal stärker. Geschäftskunden wollen sehen, was eine Agentur für vergleichbare Unternehmen erreicht hat. Wie solche Belege ohne Werbefloskeln gelingen, zeigt der Beitrag über überzeugende Fallstudien. Und wo komplexe Leistungen schnell verständlich werden sollen, helfen Erklärvideos im B2B.

Damit die Auswahl nicht im Tagesgeschäft untergeht, gehört sie in einen Plan mit Zuständigkeiten, Zeitbudget und Kennzahlen. Eine einfache Struktur dafür bietet die Vorlage für die Marketingplanung.

Woran erkennt man, ob Online-Marketing im B2B wirkt?

An Anfragen, Gesprächen und Aufträgen, nicht an Klicks. Klicks, Aufrufe und Follower sind Zwischenschritte. Ob ein Kanal wirkt, zeigt sich erst daran, ob aus ihm qualifizierte Kontakte entstehen.

Praktisch heißt das: Bei jeder Anfrage festhalten, wie der Kontakt zustande kam. Ein Feld im Kontaktformular oder eine kurze Frage im Erstgespräch genügt. Nach einem halben Jahr lässt sich daran ablesen, welcher Kanal die meisten passenden Anfragen gebracht hat. Weil Entscheidungen im B2B lange dauern, braucht diese Auswertung Geduld. Ein Kanal, der nach drei Monaten noch keine Aufträge bringt, kann trotzdem auf dem richtigen Weg sein, wenn die Zahl der Gespräche steigt.

Fazit: Online-Marketing im B2B lebt von Ausdauer und Vertrauen

Online-Marketing im B2B richtet sich an Gruppen, die lange abwägen und Informationen gründlich prüfen. Die eigene Website mit Fachinhalten, ein berufliches Netzwerk, ein Newsletter mit Einwilligung und gezielte Anzeigen decken die Phasen dieser Entscheidung ab. Rechtlich gilt: Werbe-E-Mails nur mit ausdrücklicher Einwilligung, abgesehen von der engen Ausnahme für Bestandskunden, und Analyse-Cookies nur nach Zustimmung.

Wählen Sie zwei bis drei Kanäle, die zu Ihrer Zielgruppe und Ihrem Team passen, und bespielen Sie diese ein halbes Jahr lang regelmäßig. Halten Sie bei jeder Anfrage fest, woher sie kam. Danach wissen Sie, welcher Kanal Ihnen Aufträge bringt und welcher nur Aufwand.

Avatar von Torben Hahn